Kirche
Kurzinformation zur Evangelischen Kirchengemeinde Kuhz
Der Kirchenkreis Uckermark, zu dem die Kirchengemeinde Kuhz gehört, ist der nördlichste in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Der Name für die zuvor zum slawischen Siedlungsgebiet gehörende Uckermark geht auf die alte Bezeichnung des Landstriches an dem Fluss zurück, dessen Name als „fluminis Ucrensis“ ab 1178 überliefert ist. Erste Erwähnung findet der Ort Kuhz 1292 unter der Bezeichnung Kouzc. Für den Namen wird die altpolabische Bezeichnung für „kleine Haufen“ – „kuczki“ als Herleitung angenommen. Der See „Guds“ wird bereits 1239 als Grenze von Besitzungen des Klosters Walkenried erwähnt. Um 1323 wird Kuhz dem Nonnenkloster Boitzenburg geschenkt und seit 1328 als Pfarrdorf bezeichnet.
Im 30 jährigen Krieg wurde Kuhz verwüstet und entvölkert. Ab 1687 wurde die Pfarrstelle von Boitzenburg aus verwaltet. Erst um 1700 kam ein eigener Pfarrer ins Amt und Kirche und Pfarre wurden wieder instand gesetzt. 1829 erhielt Kuhz ein neues Pfarrhaus, um 1870 wurden in Kuhz 230 Einwohner gezählt. Zur Pfarrgemeinde Kuhz gehörten mehrfach wechselnd weitere Kirchengemeinden als Filialen.
Über viele Jahrzehnte hat die Frauenhilfe, getragen von den Kirchengemeinden, ihre Arbeit in den Orten vollbracht. Die Gründung des Kinderheimes in Haßleben 1925 (Heute: Behindertenwohnstätte „Im Sonnenwinkel“ der Stephanus-Stiftung) ist ein lebendiges Beispiel.
Die Gemeinde Kuhz verlor in den 1960er Jahren zunehmend an Bedeutung. 1968 wurde die Schule geschlossen, 1969 wurde Kuhz ein Ortsteil von Haßleben. Die Kirchengemeinde Kuhz bildete mit den Kirchengemeinden Haßleben und Blankensee ein Pfarramt. Weitere Gemeinden wurden mit verwaltet. Dennoch gelang es, ein aktives Gemeindeleben zu erhalten, einfache Erhaltungsarbeiten an der Kirche durchzuführen und einige Verbesserungen zu erreichen.
1971 wurden die Wände der Kirche neu gestrichen. Dabei wurden ältere Farbanstiche entdeckt, die 1999 durch eine erste professionellere Untersuchung als Freskomalerei erkannt und mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Entstehungszeit der Kirche datiert wurden. 1986 konnte das Dach mit Betonziegeln gedeckt und so weitere Schäden von dem Gebäude abgewendet werden.
2001 fusionierten die Kirchengemeinden Blankensee, Haßleben und Kuhz zur Evangelischen Kirchengemeinde Kuhz. Der Kirchenkreis beschloss die Neuordnung der Pfarrämter und nun gehört die Kirchengemeinde Kuhz mit ihren rund 275 Gemeindegliedern zum Pfarramt Gerswalde. Die Aufhebung der Pfarrstelle Kuhz, die Aufgabe und der Verkauf des Pfarrhauses in längerer Vakanzzeit und die Notwendigkeit, das Gemeindeleben vielfach eigenständig zu organisieren, eröffnete auch neue Wege. Die Gründung des Fördervereins Dorfkirche Kuhz e. V. geht zum großen Teil auf die Aktivitäten der Christen vor Ort zurück. Engagierte Christen in der Gemeinde wollen, wenn auch als Diaspora in einem entchristianisierten Umfeld, den kommenden Generationen weitergeben, was sie übernommen haben.
Kirche zu Kuhz - Kurzinformation zum Kirchengebäude
Die Entstehungszeit des massiven Teils (Feldsteinmauerwerk) der Kuhzer Kirche wird auf die 2.Hälfte des 13. Jahrhundert. datiert. Der Fachwerkturm in seiner jetzigen Form stammt aus dem 18. Jahrhundert.
Das äußere Erscheinungsbild wird bestimmt durch abgestufte Gebäudebreiten im Bereich des Turmfußes (zur Gebäudelängsachse quergestelltes Rechteck), des Schiffes und des Chores.
Die außergewöhnlich steilen Dachflächen bilden im Bereich von Turmfuß und Schiff eine durchgehende Ebene – mit gleicher Dachneigung. Über dem Chor bleibt die Dachfläche zum Schiff hin deutlich abgesetzt. Konstruktiv handelt es sich sowohl beim Dach über dem Schiff als auch beim Dach über dem Chor um jeweils eine Kehlbalkenkonstruktion mit zweifach stehendem Stuhl und jeweils einer Kehlbalkenlage.
Der im Grundriss quadratische Fachwerkturm schließt mit zeltartigem Turmdachaufbau ab - versehen mit Turmzier und Wetterfahne. Die äußere Turmfachwerkverkleidung ohne Streben und Kopfbänder wird über ein inneres Fachwerk ausgesteift. Um 1900 wurden aussteifende Maßnahmen am Turm durchgeführt.
In der Westwand befindet sich der Zugang zur Kirche in Form eines abgetreppten Portals aus behauenen Natursteinen. Zugemauerte ehemalige Zugänge sind im Außenmauerwerk sichtbar an der Südseite im Bereich des Schiffes und an der Nordseite im Bereich des Chores.
Die lanzettförmigen Fenster sind mit Ausnahme von zweien, deren Brüstung nachträglich verändert wurden, in ihrer Gestalt offensichtlich ursprünglich.
Im Ostgiebel fallen neben einer Dreifenstergruppe Fensterblendmotive im Giebeldreieck auf (3x lanzettförmig, 1x rund).
Der fensterlose Eingangsraum mit Treppe zum Turm und zum Dach ist nach oben hin offen mit Blick in das Turmgebälk.
Eine optische Zäsur erhält der Kircheninnenraum durch einen Triumphbogen zwischen Schiff und Chor. Die Decken in beiden Bereichen sind ebenliegende Holzbalkendecken. Die vom Schiff aus erreichbare Orgelempore nimmt ca. 2/5 der Raumfläche innerhalb des Schiffes ein.
Das Entstehungsjahr des Altars wird mit 1694 angegeben. Die mehrfach umgebaute Kanzel stammt aus dem Jahr 1594.
Restauratorische Untersuchungen der Wandbeschichtung im Schiff und im Chor 1999 haben zu bemerkenswerten Wandmalereien – vermutlich aus dem Spätmittelalter – geführt. Großflächige Freilegungen sind aber erst zu erwarten, wenn die Sanierungsarbeiten am Turm und an den Dächern abgeschlossen sind.
Hauptabmessungen:
Grundfläche des Turmfußes: 6.76×12.58m
Grundfläche des Schiffes: 10.64×11,19m
Grundfläche des Chores: 8.34×8.62m
Traufhöhe des Turmdaches: 17,5m
Traufhöhe des Schiffes: 6,5m
Traufhöhe des Chores: 6.5m
Höhe der Turmspitze: 22.5m
Firsthöhe Schiff: 16.5m
Firsthöhe Chor: 13.5m
An der Kirche zu Kuhz sind in den vergangenen Jahrzehnten – ausgenommen einer Neueindeckung mit Betondachsteinen in den 80er Jahren – keine substanz-erhaltenden Reparaturen am Fachwerk, am Dachstuhl und an der Decke über Schiff und Chor durchgeführt worden. Dieser fortdauernde Reparaturstau hat mit der Zeit zu massiven Schädigungen der Tragsysteme beigetragen.
Seit Sommer 2007 wird an der Dorfkirche Kuhz gebaut. Im ersten Bauabschnitt wurde der Turm gesichert. Ein großer Teil der alten Ständerkonstruktion musste ausgewechselt werden. Am 15.06.2008 konnte die neue Turmbekrönung aufgezogen werden, der erste Bauabschnitt ist abgeschlossen.
Im Herbst 2008 konnte mit dem 2. Bauabschnitt begonnen werden. Die Dacheindeckung von Kirchenschiff und Chor, die Decke und ein Teil des Duchstuhls ist zu erneuern. Leider konnte der Bauabschnitt nicht in dem laufenden Jahr beendet werden, der frühe Frost macht einen Strich durch die Rechnung. Im März 2009 wird nun aber die Rekonstruktion abgeschlossen.
Die Förderung des Vorhabens durch das Land Brandenburg und den Landkreis Uckermark, durch die Landeskirche und den Kirchenkreis, die Stiftung KiBa und die Deutsche Stiftung Denkmalpflege, durch den Förderverein Dorfkirche Kuhz e. V. und der massive Einsatz von Eigenmittel der Kirchengemeinde sichern nunmehr die Kirche für kommende Generationen als kulturhistorisches Denkmal und Gotteshaus.
Für den weiteren Erhalt können Mitgliedschaft im Förderverein oder eine Spende hilfreich sein:
Förderverein Dorfkirche Kuhz e. V.
c/o Kerstin Ullrich
Kuhz Nr. 8
17268 Boitzenburger Land
Bankverbindung: Bank für Kirche und Diakonie e. G.
Konto 156 704 80 19
BLZ 350 601 90
Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt und kann Spendenbescheinigungen ausstellen.
Quellen: Förderverein Dorfkirche Kuhz e. V. (2003 und 2005): Die Kirche zu Kuhz.
(Flyer)
Fischer, Andreas (2000): Toponyme – Ortsnamen. (Hausarbeit und Referat –
Universität Potsdam)
Friske, Matthias (2006): Kirchen im Evangelischen Kirchenkreis Uckermark.
Hartlich, Peter (2005): Baubeschreibung der Kirche Kuhz. – Arbeitspapier
Hartlich, Peter (2007): Unsere Kirchengebäude – Kuhz. In: Gemeindebrief Ostern 2007
Hartlich, Peter (2007): Förderantrag Stiftung KiBa – Baubeschreibung
Kirchengemeinde Kuhz (2002): Kuhz. (Eigendarstellung durch eine ABM-Erarbeitung)
Seyfried, Wolfgang (2007): Unsere Kirchengebäude – Kuhzer Kirche im Baukleid. In: Gemeindebrief Sommer 2007
Timm, Marion und Reinhard (1994): Vom Leben in Uckermärkischen Dörfern
zwischen 1700 und 1945. – Sonderdruck des Uckermärkischen
Geschichtsvereins zu Prenzlau, Heft 3
www.kirche-uckermark.de, Abruf 10.08.2007
www.kuhz.de, Abruf: 10.08.2007
Zeiger, Dietlind (2005): Kuhz in der Uckermark – Die Kirche. (Informationsblatt des Pfarramtes Gerswalde)

